Kurz beantwortet
Asbest ist die Sammelbezeichnung für natürlich vorkommende, faserige Silikatminerale. Sie sind hitzebeständig, chemisch stabil, zugfest und günstig – deshalb wurden sie zwischen etwa 1950 und 1990 in über 3'000 Bauprodukten eingesetzt. Gefährlich sind die extrem feinen Fasern: Werden sie eingeatmet, gelangen sie tief in die Lunge und können Jahrzehnte später Asbestose, Lungenkrebs oder Mesotheliom auslösen. In der Schweiz gilt seit 1990 ein weitgehendes Verbot, ab 1994 ist der Einsatz vollständig untersagt. Bestehende Bauteile mussten nicht entfernt werden – deshalb steckt Asbest bis heute in einem grossen Teil des Gebäudebestands vor 1990.
Asbest in Kürze
- Was
- Faseriges natürliches Silikatmineral, sechs Mineralarten
- Eigenschaften
- Hitzebeständig, zugfest, chemisch stabil, isolierend, günstig
- Hauptart
- Chrysotil (Weissasbest), rund 90 % der verbauten Menge
- Einsatzzeit CH
- Etwa 1950 bis 1990, über 3'000 Produkte
- Verbot CH
- Weitgehend ab 1990, vollständig ab 1994
- Hauptrisiko
- Einatmen freigesetzter Fasern beim Bearbeiten
- Latenzzeit
- Erkrankung oft erst nach 20–40 Jahren
- Nachweis
- Nur Laboranalyse einer Materialprobe
Warum Asbest so beliebt war
Asbest galt als «Wunderfaser». Er ist unbrennbar und bis über 1'000 Grad hitzebeständig, beständig gegen Säuren und Laugen, isoliert hervorragend gegen Wärme und Schall, ist reissfest, elastisch und war extrem günstig zu fördern. In Kombination mit Zement entstand ein Werkstoff, der sich zu Platten, Rohren und Formteilen verarbeiten liess, kaum alterte und jahrzehntelang hielt. Für den Wiederaufbau und den Bauboom der Nachkriegszeit war das eine ideale Kombination – die Gesundheitsrisiken waren zwar seit den 1930er-Jahren bekannt, wurden aber lange nicht als Massenproblem behandelt.

Die wichtigsten Asbestarten
Sechs Minerale gelten als Asbest, drei davon spielten im Schweizer Bauwesen eine Rolle. Sie unterscheiden sich in Faserform und Gefährlichkeit:
- Chrysotil (Weissasbest): rund 90 Prozent der verbauten Menge, gewellte, biegsame Fasern, Serpentin-Gruppe
- Amosit (Braunasbest): gerade, spröde Fasern, häufig in Dämmplatten und Leichtbauplatten
- Krokydolith (Blauasbest): besonders feine, gerade und gefährliche Fasern, oft in Spritzasbest und Hochdruckrohren
- Anthophyllit, Tremolit und Aktinolith: seltene Begleitminerale, meist als Verunreinigung

Wo Asbest überall verbaut wurde
Über 3'000 Produkte enthielten Asbest. Im Gebäudebestand begegnen uns immer wieder dieselben Gruppen:
- Dach und Fassade: Wellplatten, Schindeln, Fensterbänke, Blumenkisten
- Innenausbau: Fliesenkleber, Spachtelmassen, Deckenputze, Vinylplatten mit Schwarzkleber
- Brandschutz: Leichtbauplatten, Spritzasbest, Türverkleidungen, Kabelschottungen
- Haustechnik: Rohrisolationen, Dichtungen, Kesselverkleidungen, Ofenschnüre
- Leitungen: Abwasser-, Kamin- und Lüftungsrohre aus Asbestzement
- Fenster: Fensterkitt, Fugenmassen, Brüstungsplatten

Warum Asbest der Gesundheit schadet
Die Fasern sind bis zu tausendmal dünner als ein Haar und damit lungengängig. Eingeatmet dringen sie bis in die Lungenbläschen vor, wo der Körper sie nicht abbauen kann. Die Folge sind chronische Entzündungen und Vernarbungen. Typische Erkrankungen sind Asbestose (Lungenverhärtung), Lungenkrebs, Kehlkopf- und Eierstockkrebs sowie das Mesotheliom, ein Tumor des Rippen- oder Bauchfells, der fast ausschliesslich durch Asbest verursacht wird. Zwischen Exposition und Ausbruch liegen oft 20 bis 40 Jahre. In der Schweiz sterben nach Angaben der Suva jährlich rund 120 Menschen an den Folgen früherer Asbestexposition – Asbest ist damit die häufigste Ursache für tödliche Berufskrankheiten.
Fest gebunden versus schwach gebunden
Entscheidend für das Risiko ist die Bindung, nicht der Asbestgehalt allein. In Asbestzement ist die Faser fest in eine Zementmatrix eingebunden, der Anteil liegt bei 10–15 Prozent – solange das Bauteil intakt bleibt und nicht bearbeitet wird, passiert wenig. Schwach gebundene Produkte wie Spritzasbest, Leichtbauplatten oder Dämmschnüre enthalten bis zu 60 Prozent Asbest und geben Fasern schon bei Erschütterung, Luftzug oder Berührung ab. Sie gelten als Hochrisikomaterial und dürfen ausschliesslich von Suva-anerkannten Firmen unter Unterdruck entfernt werden.
Rechtslage in der Schweiz
Ab 1990 war die Verwendung asbesthaltiger Produkte in der Schweiz weitgehend verboten, seit 1994 gilt ein umfassendes Verbot nach Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung. Bestehende Bauteile mussten nicht flächendeckend entfernt werden. Für Bauarbeiten gilt jedoch die Suva-Regelung: Vor Umbau und Rückbau von Bauten vor 1990 ist eine Gefährdungsermittlung Pflicht, Arbeiten an schwach gebundenem Asbest sind anerkannten Sanierungsfirmen vorbehalten. Bauherren tragen die Verantwortung für die Abklärung – auch bei privaten Liegenschaften. Wir sind kein Rechts- oder Steuerberatungsbüro; für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an Ihre Gemeinde oder eine Fachjuristin.
Wie viel Asbest steckt im Schweizer Gebäudebestand?
Fachstellen gehen davon aus, dass ein sehr grosser Teil der Bauten mit Baujahr vor 1990 asbesthaltige Materialien enthält – meist in Kleinmengen wie Kleber, Kitt, Platten oder Dichtungen, oft an mehreren Stellen gleichzeitig. Das bedeutet nicht, dass jedes Gebäude saniert werden muss. Es bedeutet, dass bei jedem Umbau in dieser Baujahrsklasse eine Abklärung an den Anfang gehört – bevor die erste Fliese fällt und nicht erst, wenn der Staub schon in der Wohnung verteilt ist.
Muss Asbest entfernt werden?
Nicht automatisch. Intaktes, fest gebundenes und unbeschädigtes Material darf in der Schweiz belassen werden – dokumentiert und regelmässig kontrolliert. Handlungsbedarf entsteht bei Beschädigung, starker Verwitterung, bei schwach gebundenen Materialien in genutzten Räumen sowie immer dann, wenn ein Bauteil im Rahmen von Umbau, Rückbau oder Installation bearbeitet wird. Genau diese Einschätzung – belassen, sichern oder sanieren – liefert unser Befund.
Was tun bei Verdacht?
Material nicht berühren, nicht reinigen, nicht bohren, nicht abbürsten und keine Bruchstücke bewegen. Bei Verdacht auf schwach gebundenen Asbest den Raum verlassen und die Tür schliessen. Danach eine fachgerechte Abklärung veranlassen: Wir begehen das Objekt, entnehmen staubarm Proben mit Vorbefeuchtung und HEPA-Absaugung, versiegeln die Entnahmestellen und liefern innert 24–48 Stunden den akkreditierten Laborbefund mit Fundortplan und Handlungsempfehlung. Eine einzelne Probe inklusive Begehung kostet 250–450 CHF, ein Gebäudecheck mit rund 15 Proben 1.800–2.500 CHF.
Warum wir nur testen und nicht sanieren
Wir sind auf Diagnostik spezialisiert und führen bewusst keine Sanierungen aus. Wer die Sanierung verkauft, hat ein wirtschaftliches Interesse am positiven Befund. Unser Befund sagt Ihnen ehrlich, wenn ein Material asbestfrei ist oder belassen werden kann. Für die Ausführung arbeiten wir mit Suva-anerkannten Partnerfirmen in Zürich, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn und Aargau zusammen. Auch die Freimessung nach einer Sanierung sollte eine vom Sanierer unabhängige Stelle vornehmen.
Häufige Fragen
Was ist Asbest genau?›
Asbest ist der Sammelbegriff für sechs natürlich vorkommende, faserige Silikatminerale. Sie lassen sich in feinste Fasern aufspalten, sind hitzebeständig und chemisch stabil und wurden deshalb in über 3'000 Bauprodukten eingesetzt.
Ist Asbest immer gefährlich?›
Nein. Gefährlich sind freigesetzte Fasern in der Atemluft. Ein intaktes, ungestörtes Asbestzementbauteil stellt in der Regel kein akutes Risiko dar – kritisch wird es beim Bearbeiten, Brechen oder Verwittern.
Welche Asbestarten gibt es?›
Baupraktisch relevant sind Chrysotil (Weissasbest), Amosit (Braunasbest) und Krokydolith (Blauasbest). Chrysotil macht rund 90 Prozent der verbauten Menge aus, Krokydolith gilt als besonders gefährlich.
Seit wann ist Asbest in der Schweiz verboten?›
Seit 1990 gilt ein weitgehendes Verwendungsverbot, seit 1994 ein umfassendes. Bauteile aus der Zeit davor mussten nicht entfernt werden und sind deshalb bis heute im Bestand vorhanden.
Welche Krankheiten kann Asbest auslösen?›
Asbestose (Lungenverhärtung), Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs und das Mesotheliom, ein Tumor des Rippen- oder Bauchfells. Zwischen Exposition und Ausbruch liegen typischerweise 20 bis 40 Jahre.
Wie viele Gebäude in der Schweiz enthalten Asbest?›
Fachstellen gehen davon aus, dass ein Grossteil der Bauten mit Baujahr vor 1990 asbesthaltige Materialien enthält – meist in Kleinmengen wie Kleber, Kitt oder Platten.
Muss Asbest zwingend entfernt werden?›
Nur wenn das Material beschädigt ist, Fasern freisetzt oder von Bauarbeiten betroffen wird. Sonst kann es dokumentiert und belassen werden.
Wie stelle ich fest, ob mein Haus Asbest enthält?›
Über eine Begehung mit Materialproben und Laboranalyse. Eine Einzelprobe inklusive Begehung kostet 250–450 CHF, ein vollständiger Gebäudecheck mit rund 15 Proben 1.800–2.500 CHF.
Kann ich einen Asbesttest selbst machen?›
Davon raten wir ab. Bei der Entnahme ohne Vorbefeuchtung und Absaugung setzen Sie Fasern frei, und Sie beproben oft das falsche Material. Fachleute erkennen vor Ort, wo Asbest sich verstecken könnte.
