Kurz beantwortet
Entscheidend ist das Herstelljahr: Eternit-Dach- und Fassadenplatten, die vor 1990 verbaut wurden, enthalten in der Schweiz mit hoher Wahrscheinlichkeit Asbest (typisch 10–15 % Chrysotil im Zement). Ab 1990 wurde die Produktion auf asbestfreie Faserzement-Technologie («NT») umgestellt, seit dem Verbot mit Übergangsfristen bis 1994 sind neue Platten asbestfrei. Prüfen Sie zuerst die Rückseitenprägung mit Herstelldatum: Datum ab 1994 oder «NT»-Vermerk bedeutet asbestfrei. Fehlt die Prägung oder liegt das Datum davor, gibt nur eine Laborprobe Sicherheit.
Baujahr-Faustregeln und Erkennungsmerkmale
- Vor 1970
- Sehr hoher Asbestanteil, meist 10–15 %
- 1970–1990
- Asbesthaltig, Standardprodukt im Schweizer Hochbau
- 1990–1994
- Übergangsphase – Analyse zwingend
- Ab 1994
- Asbestfrei, häufig mit «NT» gekennzeichnet
- Farbe
- Grau, verwittert bemoost; später auch rot, braun oder anthrazit beschichtet
- Dicke
- Wellplatten oft nur 5–7 mm, sehr hart und spröde
- Bruchkante
- Feine, filzartige Faserbündel statt grober Zellulosefasern
- Zustand
- Kreidige, offenporige Oberfläche = erhöhte Faserfreisetzung
- Kennzeichnung
- Rückseitige Prägung mit Hersteller und Datum, teils «NT»
In 5 Schritten prüfen, ob Ihr Eternitdach Asbest enthält
So gehen Sie strukturiert vor, ohne das Dach zu beschädigen oder zu betreten:
- Bauakten prüfen: Baujahr des Hauses und Jahr der letzten Dachsanierung ermitteln
- Rückseitenprägung suchen – am einfachsten an einer Dachuntersicht, im Estrich oder an einer Ersatzplatte im Keller
- Plattenform und Oberfläche mit den typischen Merkmalen vergleichen (siehe Tabelle)
- Zustand beurteilen: Moos, Kreidung, Risse, Abplatzungen, lose Platten
- Bei Unsicherheit oder Bauabsicht: Materialprobe fachgerecht entnehmen und im Labor analysieren lassen

Der Blick auf die Rückseite entscheidet
Viele Asbestzementplatten tragen auf der Unterseite eine eingeprägte oder gestempelte Kennzeichnung mit Hersteller und Produktionsdatum. So lesen Sie sie:
- Datum vor 1990: Asbest sehr wahrscheinlich
- Datum zwischen 1990 und 1994: Übergangszeit, Prüfung nötig
- Datum ab 1994 oder Zusatz «NT» (neue Technologie): asbestfrei
- Keine Prägung lesbar: als asbestverdächtig behandeln
- Achtung: Nachträglich eingebaute Einzelplatten können jünger sein als das übrige Dach

Optische Merkmale asbesthaltiger Wellplatten
Klassische Asbestzement-Wellplatten sind grau (später auch rot- oder braunbeschichtet), hart und spröde. An Bruchkanten sind feine, filzartige Faserbündel sichtbar; asbestfreie Platten zeigen dort eher gröbere Zellulosefasern. Verwitterte Dächer sind stark bemoost, die Oberfläche wird kreidig und offenporig – genau dann steigt die Faserfreisetzung. Auch die Kantenqualität hilft: Asbestzement lässt sich sehr dünn ausformen, weshalb alte Wellplatten oft nur 5–7 mm dick sind.

Welche Eternit-Produkte betroffen sind
«Eternit» ist ein Markenname für Faserzement – asbesthaltig war weit mehr als nur das Wellprofil. Häufige Bauteile aus der Zeit vor 1990:
- Wellplatten auf Dächern von Scheunen, Garagen, Anbauten und Wohnhäusern
- Fassadenplatten und Schindeln, oft grau oder farbig beschichtet
- Dachschindeln in Rauten- oder Rechteckform
- Ortgang-, First- und Formteile sowie Lichtplattenrahmen
- Blumenkisten, Rohre, Kamineinfassungen und Fenstersimse aus demselben Material

Wie gefährlich ist ein Asbest-Eternitdach wirklich?
Asbestzement ist fest gebunden: Die Fasern sind im Zement eingeschlossen. Bei intakten, gut erhaltenen Platten ist die Freisetzung sehr gering, und das Dach darf grundsätzlich weiter genutzt werden. Riskant wird es, wenn die Zementmatrix verwittert – erkennbar an kreidiger, rauer Oberfläche, Moosbewuchs und ausgewaschenen Fasern in der Dachrinne. Dann können Fasern über Regenwasser in Rinne, Sickerschacht und Erdreich gelangen. Prioritär abklären sollten Sie deshalb Dächer, die älter als 40 Jahre sind oder sichtbare Schäden zeigen.
Achtung: Reinigen, Streichen und Bohren sind tabu
Das Abspritzen eines Eternitdachs mit dem Hochdruckreiniger setzt grosse Faserzahlen frei und kontaminiert Umgebung und Erdreich. Vermeiden Sie deshalb konsequent:
- Hochdruckreinigen, Abbürsten oder Moosentfernung
- Schleifen, Bohren, Sägen oder Flexen von Platten
- Begehen des Dachs – Bruchgefahr und Faserfreisetzung
- Montage von Solaranlagen oder Dachfenstern ohne vorherige Abklärung
- Zwischenlagern abgebrochener Plattenstücke im Garten oder in der Mulde
Photovoltaik auf dem Eternitdach: erst testen, dann planen
Eine Solaranlage bedeutet Bohren, Befestigen und Begehen – alles Tätigkeiten, die bei asbesthaltigen Platten unzulässig sind. In der Praxis führt ein positiver Befund fast immer dazu, dass das Dach vor der Montage ersetzt wird. Klären Sie das früh ab, weil Rückbau und Entsorgung Budget und Zeitplan des Solarprojekts spürbar verändern.
Rückbau und Entsorgung in der Schweiz
Asbesthaltige Wellplatten werden bruchfrei zurückgebaut: Befestigungen werden gelöst statt durchtrennt, die Platten einzeln abgenommen, staubdicht in Big Bags verpackt und in einer zugelassenen Deponie entsorgt. Fest gebundene Aussenbauteile dürfen unter Auflagen von geschulten Bauunternehmen entfernt werden; für schwach gebundene oder innenliegende Anwendungen braucht es eine anerkannte Asbestsanierungsfirma. Sie erhalten den Entsorgungsnachweis für Ihre Bauunterlagen.
Was kostet Test, Rückbau und Neueindeckung?
Für die Abklärung selbst rechnen Sie mit rund 250–450 CHF für eine Einzelprobe inklusive Begehung, Laboranalyse und schriftlichem Befund. Steht ein Gesamtumbau an, ist ein Paket mit rund 15 Proben für etwa 1'800–2'500 CHF meist wirtschaftlicher. Rückbau und Entsorgung asbesthaltiger Wellplatten werden separat von der Sanierungsfirma offeriert und hängen von Dachfläche, Zugänglichkeit und Deponietarif ab. Ihren Richtpreis für die Analyse ermitteln Sie in wenigen Schritten im Kostenrechner.
Warum wir nur testen und nicht sanieren
Wir sind auf Diagnostik spezialisiert: Probenahme, Laboranalyse, Schadstoffbericht und Freimessung. Weil wir die Sanierung nicht selbst ausführen, hat unser Befund kein wirtschaftliches Interesse an einem möglichst grossen Rückbau. Für die Ausführung arbeiten Sie mit einer anerkannten Sanierungsfirma – und die abschliessende Kontrolle bleibt unabhängig.
Wo wir Eternitdächer prüfen
Wir nehmen Proben in den Kantonen Zürich, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn und Aargau, meist innert 2–3 Arbeitstagen. Besonders häufig sind asbesthaltige Wellplatten auf Ökonomiegebäuden, Garagen und Anbauten der Bauperiode 1955–1990.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob Eternit Asbest enthält?›
Am zuverlässigsten über die Rückseitenprägung: Datum vor 1990 bedeutet Asbestverdacht, ab 1994 oder mit «NT» asbestfrei. Optisch sprechen graue, spröde, nur 5–7 mm dünne Platten mit filzigen Faserbündeln an der Bruchkante für Asbestzement. Sicherheit gibt nur die Laboranalyse.
Muss ich mein Eternitdach sofort ersetzen?›
Nein. Ein intaktes, festgebundenes Asbestzementdach darf bestehen bleiben. Ein Ersatz wird nötig, wenn Platten brechen, stark verwittert sind oder ohnehin Dacharbeiten anstehen.
Darf ich mein Eternitdach reinigen oder streichen?›
Nein. Hochdruckreinigen, Abbürsten und Schleifen setzen sehr viele Fasern frei und verteilen sie über Dachwasser und Erdreich. Auch das Streichen erfordert eine vorbereitete Oberfläche und ist deshalb bei Asbestzement nicht zulässig.
Kann ich eine Solaranlage auf ein Eternitdach montieren?›
Nicht ohne vorherige Abklärung. Bohren und Begehen sind bei asbesthaltigen Platten unzulässig, weshalb das Dach in der Regel vor der Montage ersetzt wird. Testen Sie deshalb, bevor Sie die Solaranlage planen.
Wie entsorge ich alte Eternitplatten?›
Nur bruchfrei zurückgebaut, staubdicht verpackt (Big Bag) und über eine zugelassene Deponie mit Entsorgungsnachweis. Bauschutt, Mulde oder Kehricht sind nicht zulässig.
Was kostet die Abklärung?›
Eine Einzelprobe inklusive Begehung, Laboranalyse und Bericht liegt meist bei rund 250–450 CHF. Für eine komplette Gebäudeabklärung mit rund 15 Proben rechnen Sie mit etwa 1'800–2'500 CHF. Die telefonische Ersteinschätzung ist kostenlos.
Wie lange dauert das Laborergebnis?›
Der schriftliche Befund liegt in der Regel innert 24–48 Stunden nach Probeneingang im akkreditierten Labor vor und kann direkt bei der Bauverwaltung eingereicht werden.
Sind farbige oder beschichtete Platten asbestfrei?›
Nein. Auch rot, braun oder anthrazit beschichtete Faserzementplatten aus der Zeit vor 1990 enthalten in der Regel Asbest. Die Farbe sagt nichts über den Asbestgehalt aus.
